Der deutsche Bankensektor hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, sieht man von den hoch spekulativen Großbanken und den geschäftsmodelllosen Landesbanken einmal ab, relativ gut überstanden. Auch das der Krise folgende Niedrigzinsniveau hat zwar im Zinsergebnis negative Spuren hinterlassen, dennoch konnte der gesamte deutsche Bankensektor von 2000 bis 2017 einen Jahresüberschuss vor Ertragsteuern in Höhe von fast 326 Milliarden Euro (jahresdurchschnittlich 18,1 Milliarden Euro) erzielen. Davon haben sich die öffentlichen Sparkassen mit gut 120 Milliarden Euro den größten Teil des Gewinns einverleibt, gefolgt von den Volksbanken mit fast 84 Milliarden Euro. Zusammen kamen Sparkassen und Volksbanken auf einen Gewinnanteil von 62,7 Prozent des gesamten Bankensektors. Die Großbanken realisierten dagegen von 2000 bis 2017 „nur“ fast 31 Milliarden Euro beziehungsweise kamen auf einen Gewinnanteil von 9,5 Prozent. Das mit Abstand größte deutsche Kreditinstitut, die Deutsche Bank, konnte von 2000 bis 2017 insgesamt 56 Milliarden Euro an Gewinn vor Steuern einstreichen, was bedeutet, dass die anderen Großbanken im selben Zeitraum zusammen einen Verlust in Höhe von 25 Milliarden Euro verkraften mussten. Die trotz Wirtschaftskrise hohen Gewinne im Bankensektor haben im Grundsatz mit einer marktwirtschaftlich gewollten Wettbewerbssituation nur wenig zu tun. Allerdings relativieren sich die Gewinne bezogen auf das niedrig eingesetzte Eigenkapital. Die Eigenkapitalrentabilitäten vor Steuern schwanken hier von 2000 bis 2017 im gesamten deutschen Bankensektor zwischen –7,4 Prozent (2008) und 12,9 Prozent (2005). Auffallend hoch sind hier die Profitraten der Sparkassen mit Werten von 27,4 Prozent (2011) und 16,4 Prozent (ebenfalls 2011) bei den Volksbanken. Im Vergleich zur deutschen Wirtschaft fallen die Renditewerte im Bankensektor natürlich weit geringer aus, weil sich die Gewinne der Finanzsphäre nur aus der produzierenden Wirtschaft ergeben können. Nach der Krise ist vor der Krise. Zwar wurde der Bankensektor einer größeren staatlichen Kontrolle unterworfen, die aber nur die Symptome bekämpft und nicht die Krisenursache, die in einer neoliberal gewollten Umverteilung von den Arbeits- zu den Kapitaleinkünften liegt. So konnte auch ein stetig wachsender gefährlicher Schattenbankensektor entstehen, der ohne jegliche staatlichen Kontrollen die nach wie vor sich zu den Kapitaleinkünften umverteilenden Wertschöpfungen in spekulativer Manier aufsaugt. Wird die Umverteilung in der produzierenden Wirtschaft nicht endlich durch einen signifikanten Anstieg der Lohnquote und durch eine entsprechende staatliche Besteuerung des völlig ungleich verteilten Vermögens geändert, also die Krisenursache beseitigt, so ist die nächste schwere Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr weit.