Seit 2014 haben Länder und Kommunen etwa 1,2 Millionen Flüchtlinge untergebracht und versorgt. Unterstützt wurden sie von dem großen Engagement zahhlreicher Bürger_innen. Andererseits warten Hunderttausende Asylbewerber_innen auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), weitere Hunderttausende haben noch nicht einmal einen Antrag stellen können. Der neue Leiter des Bundesamtes hofft, die Rückstände bis Ende 2016 aufarbeiten zu können. Nur ganz wenige Flüchtlinge konnten Integrationskurse des Bundes besuchen. Die Probleme beim BAMF behindern und verzögern die Integration der Flüchtlinge und verursachen zusätzliche finanzielle, organisatorische und politische Probleme für Länder und Kommunen. Diese versuchen, durch eigene Sprachkurse und organisatorische Bemühungen integrativ zu wirken, unterstützt von vielen Ehrenamtlichen. Diese Erfahrungen legen es nahe, den Kommunen mehr Raum in der Integration zu geben. Der Bund sollte effizient seine Kernaufgaben erfüllen, statt die kommunalen Verwaltungen mit immer neuen „Asylpaketen“ zu belasten. Zügige Asylentscheidungen sind eine zentrale Voraussetzung für schnelle Integration ebenso wie für eine schnelle Rückführung. Kontraproduktiv sind Abschreckungssignale gegen Flüchtlinge, wenn die Asylverwaltung nicht zügig funktioniert. Es ist auch unsinnig, von „Integrationsverweigerung“ zu sprechen, wenn es zu wenige Möglichkeiten zur Teilnahme an Integrationskursen gibt. Finanziell sollte der Bund vollständig für die Ausgaben für Asylsuchende aufkommen, bis eine Asylentscheidung gefallen ist. Andernfalls fällt Zeitverzug bei der Asylentscheidung den Ländern und Kommunen zur Last. Alle Flüchtlinge sollten zügig Zugang zu Sprachkursen bekommen. Solange der Bund das nicht bewältigen kann, sollte er Alternativprogramme von Ländern, Kommunen und Ehrenamtlichen finanzieren und seine Angebote mit Ländern und Kommunen koordinieren. Aufgabe der Länder ist es, die Kinder rasch in normale Schulen zu integrieren. Jugendliche sollten schnell in Übergangsprogramme kommen, die Zugang zu den Hochschulen bzw. zur Berufsbildung ermöglichen. Erwachsenen sollten nach dem ersten Sprachkurs in Koordination mit Firmen und Kammern Arbeitsprogramme angeboten werden, die sie an Erwerbsarbeit heranführen. Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten sollten von Anfang an erfasst werden. In einer gemeinsamen Anstrengung sollten wir Flüchtlinge so in Gesellschaft, Staat und Wirtschaft aufnehmen, dass sie ihren Wunsch nach einem Leben in einer freien Gesellschaft erfüllen können. Gelingt das, so können die Flüchtlinge zum gemeinsamen Wohlstand beitragen und das Land hat Erfolg mit Weltoffenheit und Willkommenskultur. Gelänge es nicht, dann würde ein Teil der Flüchtlinge langfristig zu einer ökonomischen und sozialen Belastung werden, die Aktiveren würden weiterwandern. Es kommt also darauf an, die Eigeninitiative der Flüchtlinge zu fördern und ihnen zu ermöglichen, Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden. Das hat auch dann vielfältige Vorteile für alle Seiten, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, falls es gelingt, dort Frieden zu schaffen.