In dieser Arbeit werden Formen der räumlichen Arbeitsteilung des E-Commerce in Deutschland hinsichtlich ihrer Ausprägungen und Charakteristika in den Sparten Lebensmittel (Food) und Bekleidung (Fashion) untersucht. Darauf aufbauend wird eine standortorientierte Analyse der Mitbestimmungszusammenhänge in Unternehmen dieser Branchen durchgeführt. Die Arbeit stützt sich theoretisch auf die Spatial Divisions of Labour (SDL) und kombiniert diesen Ansatz mit aktueller empirischer Standortforschung zum E-Commerce. Das Verständnis räumlicher Arbeitsteilung basiert auf der Unterscheidung zwischen Standorten mit hoch- und niedrigqualifizierter Arbeit, was sich in der Differenzierung zwischen Backoffice- und Fulfillment-Standorten widerspiegelt. Das Feld der Mitbestimmung wird aus der Perspektive der Forschung zu betrieblicher Mitbestimmung und Partizipation sowie einem arenengeleiteten Verständnis von Zusammenarbeit und Konflikt untersucht. In Kombination entsteht ein konzeptioneller Rahmen, der räumliche Arbeitsteilungen und Mitbestimmung anhand von je drei abgeleiteten Dimensionen betrachtet. Die empirischen Ergebnisse beruhen auf der inhaltsanalytischen Auswertung qualitativer Interviews, ergänzt durch Dokumentenanalysen, GIS-gestützte Analysen und Beobachtungen. Sie zeigen zentralisierte und fragmentierte Standortverteilungen, wobei Arbeitskräfte und Infrastrukturanbindung (besonders für Fulfillment-Standorte) wesentliche Einflussfaktoren sind. Hoch- und niedrigqualifizierte Arbeit konzentriert sich auf Stadt und Stadtumland, während ländliche Regionen eine geringere Rolle spielen. Filialen, Darkstores und kombinierte Standorte brechen dieses Schema auf, wodurch Logistikarbeit in Zentren und Backoffice-Arbeit am Stadtrand passiert. Arbeitskräfte wirken dabei nicht nur als Standortfaktor, sondern gestalten die räumliche Arbeitsteilung aktiv durch innerbetriebliche und regionale Aushandlungsprozesse, etwa in Mitbestimmungs- und Partizipationsprozessen oder Konfliktsituationen um Ansiedlungen. Räumliche Arbeitsteilung wird zudem durch Kooperationen einzelner Standorte im Zuge städtischer Forschungs- oder regionaler Logistikkooperationen, aber auch lokalpolitischer Förderungsprozesse gestaltet. Praktizierte Mitbestimmung durch Betriebsräte (BR) hängt stark von Standorttyp und -größe ab: Große Fulfillment-Zentren verfügen, ebenso wie Filialen und Headquarter, häufiger über BR-Strukturen als Darkstores und IT-Standorte. Die Beziehungen zwischen BR und Management reichen von konfliktbeladen bis kooperativ. Insgesamt betrachtet die Arbeit Mitbestimmung im E-Commerce als umkämpftes Feld, das repräsentative und direkte Partizipationsformen integriert, die teils effektiv, teils unzureichend sind. Dabei zeigen sich einige Fälle von Union Busting, die oft als direkte Reaktion auf Mitbestimmungsbestrebungen der Mitarbeitenden gesehen werden können. Diese Arbeit trägt zur geographischen Forschung der Arbeit und Mitbestimmung bei, indem sie das Thema Mitbestimmung aus einer standortbezogenen und räumlichen Perspektive untersucht. Sie verbindet die Arenen von Mitbestimmung mit betrieblichen Standortausprägungen und berücksichtigt dabei verstärkt auftretende Partizipationsformen im E-Commerce. Durch die Verknüpfung der standorttheoretischen Forschung mit der in den SDL verankerten These der räumlichen Ausrichtung von Unternehmen anhand vorhandener Arbeitskräfte bietet die Arbeit eine umfassende Darstellung der Verflechtungen von hoch- und niedrigqualifizierter Arbeit im E-Commerce.