Bewußtseins- und Organisationsentwicklung - Rationale und nichtrationale Grundlagen, Konzepte und Realitäten
Die aktuellen Krisen der menschlichen Lebenswelten und von Mutter Erde zeigen die Dringlichkeit eines grundlegenden Wandels der Art, wie wir über Wirtschaft, Organisationen und Wissenschaft denken und wie wir mit diesem Denken unser Handeln gestalten. Die wissenschaftlichen und organisationalen Revolutionen, an deren Wiege herausragende Persönlichkeiten wie Newton, Descartes, Kopernikus, Adam Smith, Calvin, Frederick W. Taylor ... stehen, bilden nun aus ihrem Schatten heraus zunehmend existentielle Krisen und Wandlungspotentiale heraus. Am Ende scheint es so zu sein, dass es eine irrtümliche Notwendigkeit der Konzepte von Naturwissenschaft und Industrialisierung war, die Einsicht in die Realitäten von menschlichem und organisationalem Bewusstsein und die damit verbundenen Erkenntnisse und Verantwortungen in gewisser Weise zu mechanisieren und zu verdunkeln. Dieser Text ist der Aufgabe gewidmet, einen Beitrag dazu zu leisten, das die vitale und praktische Bedeutung von Bewusstsein für Organisationen neu realisiert werden und mit dieser Erkenntnis die Strukturen und Fortschritte des wissenschaftlichen Weltbildes vernetzend und vertiefend so verwandeln, dass aus Krisen ergriffene Chancen werden können. Ursachenorientiert sind die ersten Abschnitte der Aufgabe gewidmet, blinde Flecke und Entwicklungsnotwendigkeiten von Organisations-, Management- und Geldkonzepten und quantitativ-rationalen Erkenntnismethoden sowie den darin wirkenden Bildern von Mensch und Organisation aufzuarbeiten und zu vernetzen. Exemplarisch werden dafür das Unternehmensmodell von Gutenberg, Schumpeters Sicht auf Innovation, Darwins Evolutionstheorie und evolutionäres Management, das Shareholder-Value-Konzept sowie Konzepte und Prozesse angewandter Statistik multidisziplinär bearbeitet. Auf dem Weg der Integration naturwissenschaftlich-rationaler Konzepte mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen, Resultaten von Quantenphysik und tiefenpsychologischen Einsichten wird gezeigt, dass die vollständige Realität von Menschen und Organisationen im geistig-seelisch-subjektiven Raum wurzelt, aus dem heraus sich ihre äußeren und naturwissenschaftlich-analytisch fassbaren Realitäten bilden. Die Konsequenz ist, das Nutzen, Machbarkeit, Quantifizierung, Analyse und Objektivität wie alles von Menschen geschaffene subjektive Konstrukte sind, die dann krisenverstärkend wirken, wenn ihre Einbindung in ein sinn- und verantwortungsorientiertes Ganzes unterlassen wird. Dabei wird multiperspektivisch verdeutlicht, das die Beschränkung auf analytisch-funktionale und naturwissenschaftliche Ansätze zu gravierenden Verzerrungen und Ausblendungen von Realitäten aus dem Bewusstsein von Menschen und Organisationen führt. Diese sind eng mit den aktuellen Krisen verbunden. Die damit in den Vordergrund drängenden Prinzipien von Sterblichkeit und Endlichkeit sind zentrale Einsichten, auf denen schon Schumpeters Konzepte schöpferischen Unternehmertums aufbauen. Diese erhalten nun eine “neue” Wendung: Die Endlichkeit von Kapitalismus, repräsentativer Demokratie und ihren Organisationen ist eine Realität, der wir uns stellen müssen genauso wie der Tatsache, das der Neoliberalismus und „seine“ Konzepte von Management und Organisation mindestens ebenso und zunehmend auf Macht wie auf rationalen Argumenten beruhen. Vor dem Hintergrund dieser Einsichten sind die Konsequenzen dieser Arbeit an den Grundlagen menschlicher und wissenschaftlicher Bewusstseinsbildung integrativ angelegt. Lösungsorientiert folgt aus der Subjektivität von Analysen und Statistiken, das die Integration qualitativer und quantitativer Erkenntnis-Methoden zu „objektiveren“ Resultaten führen kann, als einseitig quantitativ-analytische oder einseitig qualitativ-synthetisierende Vorgehensweisen. Ebenso lösungsorientiert können Organisationen ganzheitlich integriert zwischen Geist und Materie/Funktion betrachtet und entwickelt werden. Dem dient die Bearbeitung des Konzeptes der Organisationsentwicklung von Friedrich Glasl und Bernard Lievegoed. Organisationsentwicklung ist aus dieser Perspektive dadurch gekennzeichnet, das sich Phasen der Stabilität von qualitativen und strukturellen Grundprinzipien mit Phasen fundamentalen Sinn- und Kultur-Wandels ablösen, in denen Organisationen als Ganze strukturell-technisch, sozial und bezüglich Ihrer Leitbilder und Werte neu werden. Jeder dieser Doppelphasen von Stabilität und Wandel ist durch spezifische Werte und kulturelle Prinzipien sowie dazu gehörige Chancen und Risiken sowie Licht- und Schattenaspekte gekennzeichnet, die sich um den energetischen Kern jeder spezifischen Organisation formen: die geistig-kulturelle Individualität. Das vorläufige Ende der Entwicklungspotentiale von Organisationen, das in diesem Text erstmals konzeptionell herausgearbeitet wird, beinhaltet eine Metamorphose der Organisation in ihrer Phase der Vernetzung, die mit Glasl und Lievegoed „assoziative Phase“ genannt wird. Ausgehend vom Konzept der dreigegliederten Organisation (Glasl et al.) wird das Konzept einer viergegliederten Organisation entwickelt, das sich kreuzförmig und symmetrisch in der Vertikalen zwischen geistig-kultureller Individualität und materiell-funktionaler Substanz und in der Horizontalen zweiwertig zwischen Innen und Außen in den inneren sowie den äußeren Austausch-Prozessen organisch entfaltet. Aus dem „sozialen Subsystem“ der Organisation, wie es Glasl und Lievegoed formuliert haben, entwickelt sich dabei ein bipolares System mit dem intern agierendem „Soziales Subsystem“ und dem die Organisation extern vernetzenden „Subsystem Inter-Faces“. Dieser Metamorphose liegt die Idee zugrunde, das auch vernetzte Organisationen für alle wesentlichen Funktionen Organe herausbilden müssen. Konkrete Bearbeitungen ethischer und praktischer Konsequenzen des Handelns in und von Organisationen sind wesentlicher Teil der Arbeit, denn: „An Ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matth. 7/20) und euch. Selbst. Vieles bleibt am Ende dieser Arbeit zu tun. Wesentlich ist, das die Verstärkung des Austauschaspektes von Organisationen durch die Bildung eines Gemeinschaft bildenden Doppel-Organes ausgleichend Konzepte, Methoden und Handlungen der Klärung und Stärkung individueller und organisatorischer Identität benötigt. Damit ist nicht nur ein Hinweis gegeben, wie die Individualitätsbildung, die das Europa der Aufklärung geprägt hat, in fruchtbarer Form weiter entwickelt werden kann. Zugleich mag Vernetzung von Menschen und Organisationen im guten Geist Europas realisiert werden.
| Year of publication: |
2010-08-17
|
|---|---|
| Authors: | Epstein, Holger |
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