Der Erfolg von Innovationsaktivitäten hängt in zunehmendem Maße davon ab, ob es Unternehmen gelingt, interne Innovationsaktivitäten mit externem Know-how zu verknüpfen. Chesbrough (2003) prägt dafür das Konzept „Open Innovation.“ Der zentrale konzeptionelle Beitrag dieser Arbeit besteht darin, existierende Forschungsarbeiten zum Thema Open Innovation um die Chancen und Herausforderungen der zunehmenden Internationalisierung von Märkten und Wertschöpfungsketten zu erweitern. In diesem Sinne bedeutet Open Innovation nicht nur die Öffnung von Innovationsaktivitäten über Unternehmensgrenzen hinweg, sondern auch jenseits von nationalen und kulturellen Grenzen. Dies erscheint besonders relevant angesichts der zunehmenden Globalisierung, stellt aber gleichfalls neue Herausforderungen an das Innovationsmanagement. Die Arbeit ist als kumulative Dissertation bestehend aus 10 Fachartikeln organisiert, wobei 6 Artikel am Kernthema ansetzen und 4 Artikel abgeleitete Themen aufgreifen und vertiefen.Im ersten Schritt werden die zentralen Konzepte der thematischen Fragestellung separat in die Diskussion eingeführt. Dies ist zum einen das Thema „Open Innovation“ und zum anderen die Literatur zu Nachteilen von multinationalen Unternehmen im Ausland („Liability of Foreignness,“ Zaheer, 1995). Essay 1 führt den Gedanken von Suchmustern für externes Know-how in die wissenschaftliche Diskussion ein. Demgegenüber greift Essay 2 noch losgelöst vom Innovationskontext die Thematik von kulturellen Barrieren für ausländische Niederlassungen von multinationalen Unternehmungen auf, indem es regionale Unterschiede innerhalb der wirtschaftlichen Entwicklung des Gastlandes als moderierenden Faktor einführt. In den folgenden Schritten werden dann die beiden zentralen Fragestellungen „Öffnung der Innovationsprozesse“ und „Internationalisierung“ zusammengeführt. Essays 3 und 4 fokussieren auf die Internationalisierung der Nutzung von Innovationsimpulsen durch deutsche Unternehmen, während die Essays 5 und 6 die Perspektive auf die Wissensbeschaffung von ausländischen Unternehmen in Deutschland richten. Essay 3 erweitert die bestehende Literatur, indem es Mechanismen vorschlägt und empirisch testet, die dem Auf- und Ausbau von absorptiven Fähigkeiten für den internationalen Kontext zugrunde liegen. Essay 4 testet diese Form der Internationalisierung dann auf ihre Werthaltigkeit. Mit Essay 5 wechselt dann der Schwerpunkt zu den Innovationsaktivitäten von ausländischen Unternehmen in Deutschland und den Effekten von Liability of Foreignness. Essay 5 verfolgt eine Prozessperspektive und erweitert die bestehende Literatur um eine differenzierte Betrachtung der Effekte von Liability of Foreignness während der Ideenfindung, Projektauswahl und dem Projektcontrolling. Essay 6 untersucht, ob ausländische Unternehmen im selben Maße Zugang zu wertvollen Innovationsimpulsen von lokalen Kunden, Zulieferern und Universitäten bekommen wie ihre heimischen Wettbewerber. An dieses Kernthema schließen sich 4 Essays an, die abgeleitete bzw. vertiefende Themen aufgreifen. Essay 7 folgt analog zu Essay 2 dem Kerngedanken strategische Optionen durch Erfahrungseffekte für die Überwindung der Liability of Foreignness aufzudecken. Essay 8 untersucht eine spezielle Form von Open Innovation: Innovationsbezogene Kooperationen mit Wettbewerbern aus dem Ausland (Co-opetion). Essay 9 fokussiert auf Mechanismen, die es Unternehmen erlauben, die Zeit zwischen Innovationsimpuls und erfolgreicher Umsetzung zu verkürzen. Essay 10 untersucht Suchstrategien für nachhaltige Innovationen (d.h. Umweltbelastung, Sicherheit, Energieverbrauch).Im Überblick bestätigen die Ergebnisse der Essays die Existenz von kulturellen Barrieren (Liability of Foreignness), die die Internationalisierung von Open-Innovation-Strategien bremsen. Gleichermaßen zeigt die Arbeit aber auch Optionen für das Management auf, wie diesen speziellen Herausforderungen begegnet werden kann. Die Fähigkeit, ausländische Innovationsimpulse aufnehmen und verwerten zu können, hängt in erheblichem Maße von der internationalen Erfahrung der Unternehmung ab (Essays 3, 8). Die Internationalisierung von Open Innovation scheint besonders dort relevant zu sein, wo das heimische Innovationsumfeld als weniger attraktiv betrachtet wird (Essay 3). Ausländische Impulse sind darüber hinaus wesentlich stärker dazu geeignet, das Unternehmen strategisch als Technologieführer zu positionieren (Essay 4). Mit Blick auf die Ursachen für Liability of Foreignness im Innovationsprozess im Ausland identifiziert die vorliegende Arbeit zwei Schwerpunkte. Für ausländische Unternehmen scheint es besonders schwierig zu sein, wertvolle Innovationsimpulse von Kunden aus dem Gastland zu identifizieren und zu gewinnen (Essay 5). Darüber hinaus haben Töchter ausländischer Unternehmen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, Innovationsprojekte abzubrechen oder zu überziehen, als Wettbewerber aus dem Gastland (Essay 6). Insofern werden die Nachteile erkennbar, wenn Kundenideen generiert und Ressourcenerfordernisse den Ideen gegenübergestellt werden müssen. Dies kann daher rühren, dass solche Bewertungen innerhalb der multinationalen Unternehmensgruppe einheitlichen Standards unterliegen, um interne Konsistenz sicherzustellen. Diese Richtlinien müssen jedoch nicht notwendigerweise in den spezifischen Kontext des jeweiligen Gastlandes passen.