Mind the Gap! Ordonomische Überlegungen zur Sozialstruktur und Semantik moderner Governance
In der Londoner U-Bahn warnen die Worte Mind the gap! vor der Lücke zwischen Bahn und Bahnsteigkante. Auch die Diskrepanz zwischen Sozialstruktur und Semantik kann zum Stolperstein werden. Wenn Semantiken ihre Passgenauigkeit verlieren und den gesellschaftlichen Diskurs mit Kategorien versorgen, die den Blick auf die sozialstrukturell relevanten Probleme und Lösungsmöglichkeiten tendenziell verstellen, sind nicht nur Denk -, sondern auch Handlungsblockaden vorprogrammiert. Der Beitrag stellt unter der Bezeichnung Ordonomik ein Forschungsprogramm vor, das systematisch auf diese Problemstellung fokussiert.Er entwickelt den ordonomischen Ansatz als eine institutionalistisch ausgerichteteRational-Choice-Analyse der Interdependenz von Sozialstruktur und Semantik. Damit adaptiert er einen zentralen Gedanken der Luhmannschen Soziologie für eine dem methodologischen Individualismus verpflichtete Gesellschaftstheorie. Die Fruchtbarkeit dieser ordonomischen Methode zeigt sich insbesondere in der Reflexion normativer Semantiken. Dies wird in der Anwendung auf Begriffe des öffentlichen Diskurses Freiheit, Solidarität, Verantwortung, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Corporate Citizenship eingehend illustriert. Hierauf aufbauend skizziert der Artikel Folgerungen für die universitäre Lehre und identifiziertAnsatzpunkte für interdisziplinäre Zusammenarbeit.
A12 - Relation of Economics to Other Disciplines ; A13 - Relation of Economics to Social Values ; A2 - Economics Education and Teaching of Economics ; D63 - Equity, Justice, Inequality, and Other Normative Criteria and Measurement ; Management and organisation. Other aspects ; Individual Working Papers, Preprints ; No country specification