Am Abend des 30. Oktober 1938 löste eine Radiosendung in den USA eine Massenhysterie aus (vgl. Wells 1974: 342). Das Hörspiel Krieg der Welten wurde von ca. sechs Millionen Menschen verfolgt, zwei Millionen von ihnen glaubten, die Sendung basiere auf aktuellen Geschehnissen. Die darauf folgende Panik führte zu verstopften Strassen, weil die Menschen in alle Richtungen zu flüchten versuchten. Es kam zu Fehlgeburten, schweren Verletzungen und Plünderungen.
In der heutigen Zeit scheint es unvorstellbar, dass eine Radiosendung derartige Reaktionen hervorrufen kann. Der Mensch des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist daran gewöhnt, alle Informationen anhand von Bildern vermitteltzu bekommen. 1938 gab es jedoch noch keine Fernsehberichte. Aktuelle Geschehnissewurden per Radiosendung oder Zeitungsartikel vermittelt.
In Panik zu geraten gilt als Ausnahmezustand. Reaktionen, die durch Extremsituationenhervorgerufen werden, wirken oft ziellos und unlogisch. Z. B.versuchte ein Teil der Zuhörer des o. g. Hörspiels vom Land in die Stadt zuflüchten, während ein anderer Teil aus den Städten aufs Land flüchten wollte(vgl. Wells 1974: 344). An einen sicheren Ort gelangen zu wollen, scheint einelogische Reaktion zu sein. Wenn nicht bekannt ist, ob der eigene Ausgangspunktsicherer ist als ein anderer Ort, wird es jedoch schwierig, eineAuswahl zu treffen. Die Vermeidung von Unsicherheit führt nicht zwangsläufigzu Sicherheit, trotzdem scheinen die Instinkte eine Flucht vor Gefahr höherzu bewerten als eine bewusste Entscheidung über einen sicheren Aufenthaltsort.Dadurch wird die Frage aufgeworfen, welche Mechanismen das Verhaltenbei Unsicherheit steuern und ob bzw. wie viel Einfluss darauf genommen werdenkann.
Die Vorstellung, manipulierbar zu sein, löst Unbehagen aus. Menschen, diesich überlisten lassen, werden häufig als leichtgläubig [...]