Flexible Wissensarbeit : AlleindienstleisterInnen zwischen Privileg und Prekarität
Flexible Wissensarbeit in Form hoch qualifizierter selbständiger Beschäftigung stellt in derBundesrepublik einen relativ neuen Erwerbstypus dar, der im Dienstleistungssektor aufExpansionskurs ist. Der Beitrag stellt zentrale Ergebnisse einer empirischen Untersuchungim exemplarischen Feld ausgewählter Kulturberufe vor, die als Trendsetter für die neuereselbständige Erwerbsform des „Alleindienstleisters“ gelten können. Gezeigt wird, dassnicht nur deren objektive Erwerbsstrukturen von bekannten Mustern abweichen, da sie –bei vergleichsweise schwacher Geschlechtersegregation – den hoch Qualifizierten nur relativbescheidene Einkommen unter risikoreichen Erwerbsbedingungen bieten. Besonderheitenzeigen sich auch in den individuellen subjektiven Orientierungen und Handlungsstrategien.Diese subjektiven Faktoren, so das Kernargument dieses Beitrags, ermöglichen erstdas „ Funktionieren“ des flexiblen Erwerbsmodells. Auf der Basis starker intrinsischer Motivationenund eines dominant wertrationalen Berufsverständnisses entwickeln die individuellenAkteure in reflexiver Weise Handlungsmuster im Umgang mit den marktradikalenBedingungen, die eine mehr oder minder gelungene Balance zwischen individuellen Freiheitsgradenund marktlichen Restriktionen ermöglichen. Dabei ergeben sich für Männerwie Frauen überwiegend kontinuierliche, wenngleich komplexe Erwerbsbiographien jenseitsherkömmlicher Karrierepfade. Diese qualitativ gewonnenen empirischen Befundewerden im Hinblick auf theoretische Konzepte der Arbeits-, Berufs- und Professionssoziologiesowie der sozialen Ungleichheit diskutiert. Abschließend wird aufgezeigt, dass dasErwerbsmuster flexibler Wissensarbeit besonders aufgrund der fragilen individuellen undkollektiven Risikostrategien durchaus institutionellen Handlungsbedarf aufwirft.