Arbeits- und Lohnstückkostenentwicklung 2018 im europäischen Vergleich
Alexander Herzog-Stein, Ulrike Stein, Rudolf Zwiener
Von Mitte der 1990er Jahre bis zur Finanz- und Wirtschaftskrise fielen die Lohnsteigerungen in Deutschland geringer aus als der gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum und erfüllten nicht die Kriterien einer makroökonomisch orientierten Lohnpolitik. Die längerfristige Betrachtung der Lohnstückkosten zeigt, dass sich die Entwicklung der Löhne und damit der Arbeitskosten nach der Finanz- und Wirtschaftskrise normalisiert hat, was die deutsche Volkswirtschaft in den letzten Jahren auf einen ausbalancierteren Wachstumspfad geführt hat und in der aktuellen konjunkturellen Wachstumsdelle gesamtwirtschaftlich stabilisierend wirkt. Dadurch wurde die stark unterdurchschnittliche Arbeitskostenentwicklung der 2000er Jahre zum Teil etwas korrigiert, es besteht aber weiterhin Spielraum nach oben. Eine Erosion oder Gefährdung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen ist nicht auszumachen. Im Hinblick auf den Abbau der Ungleichgewichte im Euroraum wäre eine noch etwas dynamischere Lohnentwicklung in Deutschland in den letzten Jahren hilfreich gewesen. Zwischen 1994 und 2016 haben die mittleren realen Stundenlöhne in Deutschland nicht mit der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität je Arbeitnehmerstunde Schritt gehalten. Wesentlich zu dieser Entkopplung haben die Inflationsdifferenz zwischen den Konsumenten- und den Produzentenpreisen, der Rückgang der Lohnquote und der Anstieg der Lohnungleichheit beigetragen.