Gesundheit ist das höchste Gut aller Menschen und Deutschlands Wirtschaftsbranche No. 1. Die Soziale Gesundheitswirtschaft ist ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Leitbild, das die neu erkannte Komplementarität zwischen Gesundheit und Wirtschaft unter das Postulat der sozialen Gerechtigkeit stellt. Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem kommt der Wirtschaft zugute, aber der Mensch muss im Mittelpunkt stehen – sowohl als Patient, der Anspruch auf bestmögliche und sozial gerechte Versorgung hat, als auch als Arbeitskraft, die humane Arbeitsbedingungen und angemessene Entlohnung einfordert. Das Wachstum der Gesundheitswirtschaft darf nicht sich selbst überlassen bleiben, sondern muss politisch so gestaltet werden, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung besser und sozial gerechter wird und mehr und bessere Arbeitsplätze entstehen. Damit ergibt sich ein Zieltriangel, in dem „gute Arbeit“ auf Seiten der Beschäftigten zu „mehr Gesundheit und Lebensqualität“ der Bevölkerung führt und damit das „qualitative Wachstum“ der Gesamtwirtschaft befördert. Zentrale Gestaltungsfelder einer Gesundheitspolitik, die diese Ziele ansteuert, sind ein Leistungskatalog, der allen Bürgerinnen und Bürgern alle notwendigen und medizinisch sinnvollen Behandlungen ermöglicht, fi nanziert über eine Bürgerversicherung mit Versicherungspflicht für alle und unter Einbeziehung aller Einkünfte. Um die Qualität der Angebote zu verbessern müssen integrierte Versorgungsstrukturen ausgebaut werden. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Modellen, die nachahmenswerte Konzepte integrierter Versorgung entwickeln und umsetzen. Besondere Bedeutung für eine bedarfsorientierte Versorgung kommt hier den Gesundheitsakteuren in den Regionen zu. Notwendig ist ferner eine Gesundheitsförderungspolitik, die Prävention zur Querschnittsaufgabe in allen politischen Ressorts macht und alle gesellschaftlichen Akteure in die gesundheitsförderliche Gestaltung der Lebensund Arbeitswelten einbezieht. Damit Patientinnen und Patienten über ihre Behandlung bestimmen können, müssen Patientenrechte gestärkt und Informationen über Versorgungsangebote und deren Qualität verbessert werden. Die Selbsthilfe ist zu fördern, indem Patienten zu eigenen Aktivitäten eingeladen, ermutigt und inspiriert werden. Gesundheitlich Benachteiligte brauchen Unterstützungen, die ihre besonderen Krankheitsrisiken abbauen oder kompensieren und sicherstellen, dass die Betroffenen die ihnen zustehenden Leistungen auch wahrnehmen. Allen Prognosen zufolge werden in der Gesundheitswirtschaft viele neue Arbeitsplätze entstehen. In den nächsten 15 Jahren wird mit bundesweit wenigstens 400.000, ggf. sogar mehr als eine Million zusätzlichen Jobs gerechnet – je nachdem, ob eine anspruchsvolle Gesundheitswirtschaftspolitik gelingt oder einseitig auf Kostendämpfung gesetzt wird. Damit Arbeit auf attraktiven, sozialversicherungspfl ichtigen und ordentlich bezahlten Arbeitsplätzen geschaffen wird und nicht in schlecht entlohnten Jobs in unsichereren Beschäftigungsverhältnissen, muss die Politik soziale Leitplanken vorgeben. Um die Attraktivität der Gesundheitsberufe zu fördern und drohenden Fachkräftemangel abzuwenden ist ein Forschungs- und Gestaltungsprogramm zur Humanisierung der Arbeit in der Gesundheitsbranche erforderlich.