Produktivgenossenschaften - Utopische Idee oder realistische Perspektive?
Produktivgenossenschaften stehen seit vielen Jahren, genauer gesagt sogar schon seit Jahrhunderten, im Mittelpunkt einer mal mehr, mal weniger hitzigen Diskussion. Dies liegt nicht zuletzt an dem Umstand, dass sie einerseits auf Grund der ihnen immanenten demokratischen und egalitären Elemente das Gerechtigkeitsempfinden gerade von sozial engagierten Genossenschaftstheoretikern und -praktikern angesprochen haben, andererseits aber gleichzeitig durch eben diese Charakterzüge auch politische Vorbehalte geweckt haben.Zudem ließ sich beobachten, dass den meisten praktischen Vesuchen produktivgenossenschaftlicher Organisation kein allzu langes Leben beschieden war.
Letzeres ließ sich je nach Einzelfall mal mehr auf eher soziologische Faktoren (Gruppendynamik und -strukturen), mal stärker auf eher ökonomische Faktoren (Finanzierungsdefizite, mangelndes Marktdenken) oder eine Kombination daraus (unklare Führungsstrukturen, Schwächen im Managemen) zurückführen.Dessen ungeachtet hat das produktivgenossenschaftliche Konzept erhebliche Spuren in Wissenschaft und Praxis gleichermaßen zurückgelassen, weil es sowohl spezifische organisatorische und strukturelle Herausforderungen verkörpert als auch immer wieder Menschen dazu verlockt hat, den Gedanken praktisch umzusetzen. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob es sich bei Produktivgenossenschaften eher um eine utopische Idee oder doch um eine realistische Perspektive handelt.
Daher soll zunächst das utopische Element im produktivgenossenschaftlichen Konzept diskutiert werden, bevor auf den Selbsthilfe-Charakter von Produktivgenossenschafteneingegangen wird. Im Mittelpunkt steht in diesem Kontext das (potentielle) Mitglied, für das sich bei Interesse an Mitgliedschaftbzw. Mitarbeit die Frage nach Beitritt oder Neugründung stellt. Abschließend wird auf die Breitenwirkung von Produktivgenossenschaften eingegangen, um abschätzen zu können, wie groß die praktische Relevanz des Modells ist.