Alkoholismus kann lange unerkannt bleiben: er wird oft verharmlost, vom Umfeld ertragen oder mitgetragen, der Umwelt gegenüber versteckt, verdrängt oder verleugnet. Das kann ein Erklärungsmuster sein, weshalb diese Krankheit oft lange unbehandelt bleibt. Eine Antwort auf diesen Mechanismus kann in der Co-Abhängigkeit liegen.
Die Co-Abhängigkeit bezieht sich auf die Rolle von Menschen, die demAbhängigen nahe stehen und für die Weiterentwicklung der Abhängigkeit bedeutsamsind. Der Abhängige wie sein Umfeld - zu dem Familienangehörige,aber auch Beschäftigte im Arbeitsleben zählen - sind in den Suchtprozess verwickelt,und werden häufig co-abhängig, indem sie z.B. aus Liebe, Angst,Hilflosigkeit oder Fürsorglichkeit - ohne es zu wollen und zu wissen - die Sucht unterstützen (Loviscach 1996). Frauen sind im häuslichen Umfeld besonders häufig von Co-Abhängigkeit aufgrund ihres Rollenverständnisses (alsfürsorgende Mütter oder Partnerinnen) betroffen.
Im beruflichen Bereich kann Co-Abhängigkeit dann entstehen, wenn derBetrieb auf den (abhängigen) Mitarbeiter angewiesen ist, oder gute bis freundschaftliche Kontakte zur Firmenleitung bestehen (z.B. langjährige ältere Mitarbeiter, gegenüber denen man sich verantwortlich fühlt).