Vertrauen eine Conditio sine qua non für Kooperationen?
Vertrauen hat Konjunktur. Seit etlichen Jahren ist es en vogue, Vertrauen einzufordern.
Politiker fordern das Vertrauen der Wähler und konstatieren konsterniert,dass sie das Vertrauen der Wähler verloren haben (Der Spiegel Nr. 26;2004: 24, Müntefering: Uns ist das Vertrauen der Menschen verloren gegangen....., um nur ein Beispiel zu nennen.).
Medien fordern Vertrauen in ihre Berichterstattung und berichtigen fehlerhafteBerichterstattung in den seltensten Fällen.
Unternehmen fordern von ihren Mitarbeitern Vertrauen in das Unternehmenund die Unternehmenspolitik der Geschäftsführung besondersnachdrücklich, wenn Umstrukturierungen, Lohnverzicht und Entlassungengeplant sind.
Teammitglieder sollen auch in virtuellen Teams einander vertrauen,
etc., etc., etc.
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Die Aufstellung lässt sich beliebig fortsetzen. Vertrauen ist offensichtlich etwasWichtiges und Notwendiges, zugleich scheint es etwas äußerst schwerFassbares zu sein. In Politik, Medien und Unternehmen erlebt Vertraueneine bemerkenswerte Renaissance, ebenso in Ökonomie und Soziologie. Nurdie Psychologen betrachten die Aufgeregtheiten etwas verwundert.
Die Vertrauenskonzepte, mit denen die aktuellen Diskussionen geführtwerden, stehen vorgeblich im Zentrum interdisziplinärer Forschung, die sichvor allem dadurch auszeichnet, dass jede Sozialwissenschaft (die Ökonomiewird in diesem Artikel zu den Sozialwissenschaften gezählt) ihre eigenen,sektoral zugeschnittenen Vertrauenskonzepte verfolgt und favorisiert.